Soziales Europa am Prüfstand

Internationale KAB-Sommerakademie in Südtirol vom 15. - 21. Juni 2014


„Soziales Europa vor dem Aus?“

Mit dieser Frage befasste sich die 7. Internationale Sommerakademie der Katholischen Arbeitnehmerbewegung vom 15. bis 21. Juni in Nals, südlich von Meran gelegen. 40 Frauen aus Deutschland, Schweiz, Südtirol und Österreich nahmen daran teil. Unter ihnen auch vier Vertreterinnen aus der Diözese St. Pölten – Christine Weninger, Margarete Bliem, Eva-Maria Burghofer und Birgit Steinkellner.
In den einzelnen Vorträgen, Diskussionsrunden und Arbeitskreisen ging es um mögliche Strategien gegen die zunehmende Arbeitslosigkeit und Armut.
Über die Situation junger Menschen auf dem Arbeitsmarkt sprach Dr. Susanne Kirchner aus Wien. In der darauf anschließenden Diskussion wurden die Zahlen, Fakten und Ist-Zustände der teilnehmenden Länder verglichen. Es zeigte sich, dass Österreich in einer vergleichsweisen guten Situation sei. Maßnahmen wie Ausbildungsgarantie, Erweiterung der Bildungskarenz-Modelle tragen bei, dass die Jugendarbeitslosigkeit vergleichsweise gering gehalten wurde. Dennoch gibt es allein in Österreich zirka 75.000 Jugendliche, die in keiner Statistik aufscheinen (NEETS). In der gesamten EU ist jeder zehnte Jugendliche ohne Arbeit.

Lösungen in Sicht?
Margit Appel von der Kath. Sozialakademie Wien zeigte in ihrem Beitrag „Strategien gegen Arbeitslosigkeit“ verschiedene Ansätze und Lösungsmöglichkeiten auf.
Der Wert des Einzelnen in der Gesellschaft würde derzeit fast überall nur über die bezahlte Arbeit definiert. Ansätze wie Arbeitszeitverkürzung, Abbau und Vermeidung von Überstunden, die 30-Stundenwoche bei vollem Lohnausgleich, 20 Stunden Arbeit um das Wohlstandsmodell zu erhalten, aber auch „lebenslanges Lernen“, selbstbestimmte Berufsauswahl und Berufsausbildung, würden bei fast allen Diskussionen nur nach den Bedürfnissen der Wirtschaft orientiert, wurde in der Diskussion hervorgehoben.
In Arbeitskreisen recherchierten die Teilnehmerinnen Fakten über die EU-Länder Großbritannien, Portugal, Italien, Rumänien, Dänemark und Griechenland. Sie verglichen dabei die Sozialstandards und beschäftigten sich mit den aktuellen Brennpunkten, mit denen diese Staaten zurzeit zu kämpfen haben.

Hürden noch zu bewältigen
Als Resümee der Tagung kann gesagt werden, dass noch viele Hürden, Mut, Engagement und Respekt aller Länder und deren unterschiedliche Kulturen füreinander notwendig sind, damit es gelingt, gleiche soziale Standards, einheitliche Ausbildungsstandards, gleiche Bildungschancen für alle und Maßnahmen gegen die hohe Jugendarbeitslosigkeit durchzusetzen.
Für jede Situation gebe es auch Alternativen. Denn alles, was der Mensch gemacht hat, könne er auch wieder ändern. Man müsse nur ungewöhnliche Gedanken, Ideen und Lösungen zulassen.
Einen ganzen Tag lang konnten sich die Teilnehmerinnen auch künstlerisch mit dem Thema „ein soziales Europa braucht Werbung und Engagement“ auseinandersetzen. Mit Naturmaterialien Stein, Holz und Stoff schufen sie im Garten des Bildungshauses in Nals einige kreative Objekte.
Eine Stadtführung in Meran, eine Exkursion auf den Kränzelhof in der Nähe Merans und eine Weinverkostung von Südtiroler Weinen rundete die Tagung ab. Das wunderbar milde Klima verschönerte dazu noch diese Woche, die Internationalen Frauennetzwerk in Zusammenarbeit mit dem europäischen Zentrum für Arbeitnehmerfragen(EZA) und Unterstützung von der Europäischen Union organisiert wurde.

Eva-Maria Burghofer Aschbach