Horner Papst Leo-Sozialpreis ehrte herausragende Waldviertler und Wiener Initiativen

Der renommierte, österreich-weit ausgeschriebene Papst Leo-Sozialpreis 2015 wurde am 15. Mai bei einem Festakt in Horn an Betriebseelsorger Karl Immervoll und an das Sozialprojekt Le+O der Caritas der Erzdiözese Wien vergeben. Immervoll nimmt sich seit Jahrzehnten ideenreich besonders um die Bewohner des Waldviertler Grenzlands an, Le+O betreut und berät Hilfsbedürftige und Ausgegrenzte in Wien und im Umland. Seit 1987 vergibt die Papst-Leo-Stiftung in zweijährigem Abstand zwei Preise für besondere Verdienste um die Katholische Soziallehre, die derzeit mit je 1.800 Euro dotiert sind. Die Preisträger 2015 haben sich im Sozialbereich bewährt und setzen damit die Katholische Soziallehre in der Praxis um. Der St. Pöltner Diözesanbischof Klaus Küng überreichte die Auszeichnungen an die Preisträger.

Er verglich den Papst Leo-Preis mit dem Stresstest der Banken. Da werde geschaut, ob Banken gesund seien. Der Papst Leo-Preis sei ein Prüfstein, ob der Glaube gesund und vital sei und den Einsatz für arme Menschen ermögliche. Er würdigte das Engagement der Preisträger, die ein gutes Beispiel abgeben würden, was durch Einzelne möglich sei. Bischof Küng freue sich, dass durch die Vorgaben der Kahtolischen Soziallehre so viel Gutes in die Tat umgesetzt werden könne. Karl Immervoll und das Sozialprojekt Le+O seien eine Ermutigung für andere. Der niederösterreichische Landtagspräsidenten Hans Penz sagte, dieser Preis wirke wie ein Auftrag an uns alle, uns in der Gesellschaft einzubringen und uns zu engagieren. Papst Leo habe im 19. Jahrhundert mit seiner Sozialenzyklika und den darin enthaltenen Prinzipien zeitlos Gültiges geschaffen. Umweltethik und das Hinterlassen eines lebenswerten Landes fuße auch darin. Karl Immervolls Konzepte seien revolutionär gewesen, womit er auch angeeckt habe, was nicht allen gepasst habe und das sei gut so. Der Kirche sei es zu verdanken, dass solch soziales Engagement an die Öffentlichkeit komme. Die Politik wiederum sei täglich gefordert, soziale Ungerechtigkeiten zu beseitigen. Darum arbeite das Land intensiv an den Fragen der Beschäftigung oder der flächendeckenden Gesundheitsversorgung. Wider die Auswirkungen der Abwanderung Der Theologe, Schuhmacher und Musiker Karl Anton Immervoll ist seit 1983 Betriebsseelsorger für das obere Waldviertel. In dieser Funktion rief er zahlreiche Projekte gegen Arbeitslosigkeit und Abwanderung ins Leben, unter anderem die Waldviertler Schuhwerkstatt (heute GEA), die Emailwerkstatt in Langegg, die Greißlerei in Heidenreichstein, eine Ökologische Putzagentur in Groß Siegharts, das Kinderhaus Blümchenclub, die Heidenreichsteiner Arche, die Lehrlingsstiftung Eggenburg, die Waldviertler Regionalwährung, Regionalmärkte und zuletzt ein Solartaxi. Neben seinem Hauptberuf unterrichtet er beim Musikschulverband Heidenreichstein und ist als Kirchenmusiker und Organist tätig. In dieser Eigenschaft gründete er die Internationalen Waldviertler Orgelwochen. Diese Vielzahl an Initiativen setzte er immer mit viel Kreativität und gemeinsam mit den Betroffenen. Ihm sei es wichtig, niemanden auszugrenzen und ein menschenwürdiges Leben – durch Arbeit und faire Bezahlung. Die Katholische Soziallehre bleibe nur durch Menschen wie Karl Immervoll lebendig, war der Tenor des Abends. „Arbeitslose zählen zu den Schwächsten der Gesellschaft, Arbeitslosigkeit wird in der Katholischen Soziallehre als großes Übel bezeichnet“, so Immervoll. Es gebe ihm Kraft, „wenn Papst Franziskus davon spreche, dass ihm eine Kirche lieber sei, die gebeult, verletzt und beschmutzt ist, weil sie auf die Straßen hinausgegangen ist, als eine Kirche, die aufgrund ihrer Verschlossenheit und ihrer Bequemlichkeit, sich an die eigenen Sicherheiten zu klammern, krank ist“. Immervoll appellierte an Gesellschaft und Politik, bei den Menschen nicht gleich die Defizite zu sehen, sondern deren Stärken zu stärken. Le+O: Mehr als nur ein Zeichen gegen Wegwerfmentalität Mehr als nur ein Zeichen gegen die Auswüchse der Wegwerfgesellschaft: Die Initiative „Lebensmittel und Orientierung“, kurz Le+O, wird seit 2009 in der Erzdiözese Wien in zahlreichen Pfarren in Wien und Niederösterreich umgesetzt. Als „Hilfe zur Selbsthilfe“ wird neben der Ausgabe von wöchentlich 8 Tonnen Lebensmittel an Tausende Bedürftige in 10 Verteilungs- und Ausgabestellen vor allem auch Wert auf ein umfassendes kostenloses Beratungs- und Orientierungsgespräch gelegt. Dadurch wird Nothilfe mit langfristiger Behebung der jeweiligen konkreten Ursachen der Armut und Notsituation verbunden. Es soll auch Mut machen, Ansprüche geltend zu machen. Das Projekt wird von rund 800 Ehrenamtlichen, 15 Pfarren, 70 Unternehmen in Wien und Niederösterreich unterstützt und von der Caritas der Erzdiözese Wien getragen. Ehrenkoordinator Christoph Gudenus: „Das Projekt hat offensichtlich Faszination in sich, da wir in den Pfarren immer viele Unterstützer finden.“ Dies liege wohl im Konzept einerseits Lebensmittel nicht wegzuwerfen und weil man dadurch erst Armut in unserer wohlhabenden Gesellschaft wahrnehme. Trotz der Hilfe der vielen Freiwilligen appellierte er an die Politik, „soziale Verantwortung nicht einfach an die Ehrenamtlichen abzugeben“. Am Festakt, der vom St. Georgs-Chor musikalisch umrahmt wurde, nahmen neben Bischof Küng und Landtagspräsident Penz ua. Katholische Aktion-Präsident Armin Haiderer, Pastorale Dienste-Direktor Sepp Winklmayr, Sepp Riegler (Vorsitzender der Katholischen Arbeitnehmer/innenbewegung der Diözese St. Pölten), Abtpräses Christian Haidinger, die Äbte Michael Michael K. Proházka (Geras) und Thomas Renner (Altenburg) teil. Abt Renner steht dem Kuratorium der Papst Leo-Stiftung vor, er und der unermüdliche Stiftungs-Administrator Roman Fröhlich ehrten mehrere Kuratoren, die diese Funktion seit Jahren ausüben. Die Papst Leo-Stiftung Die Papst Leo-Stiftung wurde 1985 zur Förderung der Katholischen Soziallehre gegründet und wird von einem Kuratorium verwaltet. Sie vergibt alle zwei Jahre jeweils zwei Papst-Leo-Preise. Geehrt werden Personen oder Institutionen, die sich um die Katholische Soziallehre durch Lehre und Publizistik, durch Umsetzung in Gesetzgebung, Projekten und Modellen sowie durch Akte sozialer Gerechtigkeit innerhalb Österreichs besonders verdient gemacht haben. Eingereicht werden können auch Initiativen von Entwicklungshilfe und internationaler Solidarität, insbesondere solche, für die österreichische Staatsbürger Verantwortung tragen.