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Herbergsuche heute

Der Stall von Bethlehem ist überall - auch bei uns

„… weil in der Herberge kein Platz für sie war ...“ – so erzählt der Evangelist Lukas von der Geburt des Jesuskindes in Betlehem. Josef und Maria mussten Vorlieb nehmen mit einem Wirtschaftsgebäude (Stall) auf  den Hirtenfeldern bei Betlehem. Daher waren die bodenständigen Hirten auch die ersten, die von der Geburt des Messias erfahren haben: „sie eilten hin, um das Ereignis zu sehen, das ihnen der Herr verkünden ließ“ (Lk 2, 16). Jesus selber blieb während seines Lebens und Wirkens bodenständig,aber an keinen Platz gebunden. Er hat sich in seiner Botschaft und seinem Verhalten mit denen solidarisiert, die auf der Suche nach Heimat und Geborgenheit waren: „Ich war fremd und heimatlos, und ihr habt mich aufgenommen“ (Mt25,35).

Unzählige Menschen sind heute auf der Suche nach einer „Herberge“: Flüchtlinge, Vertriebene, Asylanten, Arbeitssuchende … Emmanuel Mbolela, geboren in der Demokratischen Republik Kongo, schildert in seinem Buch „Mein Weg vom Kongo nach Europa. Zwischen Widerstand, Flucht und Exil“ von seinem langen Fluchtweg und der Suche nach einer Bleibe. Nach dem Studium der Ökonomie im Kongo wollte er sich politisch engagieren, musste aber seine Heimat verlassen. Sechs Jahre lang irrte er durch Afrika, durch Kamerun, Nigeria, Benin, Burkino Faso, Mali, Algerien und Marokko, bis er 2008 endlich in den Niederlanden Aufnahme fand. Unterwegs erlebte er wie Tausende mit ihm, dass nicht nur das Mittelmeer ein Massengrab ist, sondern auch die Wüste Sahara. Überall geht es um finanzielle Machenschaften, um Schmiergelder und Schleppergebühren - nur um das nackte Leben retten zu können.

Keine Rede von Menschenwürde und Menschenrechten. Am meisten ausgebeutet werden Frauen und Mädchen. Leider werden 25 Jahre nach dem Mauerfall in Berlin Mauern an Europas Grenzen errichtet, die „Herberg-Suchende“ abhalten sollen. Ich möchte noch Bezug nehmen auf den adventlichen Brauch des  "Herbergsuchens“, der in Mostviertler Pfarren sehr gebräuchlich ist. In Liedern und Texten wird dabei an die schwierige Situation von Josef und Maria in Betlehem erinnert. In dem von Josef Kronsteiner vertonten Herbergslied „Sankt Josef geht von Tür zu Tür“ heißt es in der vierten Strophe: „Und Herberg sucht nun jedes Jahr fürs Jesuskind das heilige Paar. Schau an das Kind so arm und klein, es will bei dir geborgen sein. Bedenk o Mensch, welch Kind es ist: Dein Gott und Heiland Jesus Christ“.
Bedenk, o Mensch! Zunächst, dass wir uns glücklich schätzen dürfen und dankbar sein können, eine sichere und friedvolle Heimat zu haben, was nicht selbstverständlich ist. Daran erinnert eben das Schicksal der vielen Heimatlosen - hier bei uns und überall in der Welt. Gott sei Dank gibt es viele Menschen, jüngere und ältere, die sich bei der „Herbergsuche“ engagieren. Gott sei Dank dürfen wir aus dem Vertrauen leben, dass wir bei Gott angenommen sind und eine bleibende Heimat erwarten dürfen - das sagt uns Weihnachten.

P. Franz Kniewasser, Geistlicher Assistent der KAB St. Pölten