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Erster Arbeiterpriester Österreichs feierte 90. Geburtstag

Foto: Arbeiterpriester Rudolf Wimhofer wird vom Prior des Stifts Lilienfeld, P. Pius Maurer, und vom Traisner Bürgermeister Herbert Thumpser geehrt

Rudolf Wimhofer, erster Arbeiterpriester der Diözese St. Pölten und wahrscheinlich auch der erste Arbeiterpriester in Österreich, feierte seinen 90. Geburtstag. Er lebt jetzt in Traisen und arbeitete über viele Jahre in Fabriken – mitten unter den Arbeiterinnen und Arbeitern, wo er das Evangelium verkündete.
 
Franz Sieder, einer der letzten Arbeiterpriester Österreichs und guter Freund Wimhofers, berichtet: „Die Arbeiterpriester sind in Frankreich entstanden. Vor 50 Jahren gab es in Frankreich riesige Gebiete, die für die Kirche über die pfarrliche Pastoral nicht mehr erreichbar waren. Man musste neue Wege gehen um diese Arbeiterregionen gleichsam missionarisch zu beackern.“

Hunderte Priester hätten sich entschieden ihr Priestersein so zu leben, dass sie selbst als Arbeiter in die Fabrik gehen, um ganz in der Arbeitswelt präsent zu sein und hautnah das Leben mit den Arbeitern zu teilen. Sie hätten sich gesagt: In diesem Milieu, das der Kirche entfremdet ist, müssen wir die Botschaft Jesu vorrangig durch unser Leben verkünden. In Paris sagte einmal der Arbeiterpriester Jean Perrot, der schon zwölf Jahre in einer Flugzeugfabrik gearbeitet hat Folgendes zu Sieder: "Weißt Du, für mich als Arbeiterpriester ist das Wichtigste, dass mein Leben für die Arbeiter völlig wahr und durchsichtig ist. Ich habe keine Geheimnisse vor den Arbeitern. Ich haben auch keine Taktik, wie ich ihnen begegne. Die Arbeiter wissen, wie ich meine Freizeit verbringe und sie wissen auch, wie ich als Priester meinen Zölibat lebe. Die Glaubwürdigkeit und Durchsichtigkeit ist ungeheuer wichtig.“

Ein solcher Arbeiterpriester sei auch 17 Jahre lang Rudolf Wimhofer im Voest-Alpine-Werk in Traisen gewesen. Er habe – so Sieder - mit allen Konsequenzen die Arbeit mit seinen Kollegen geteilt und auch in einer Arbeitersiedlung gelebt. Sein Leben sei in allem wahr und durchsichtig gewesen. Sieder weiter: „Ich habe Rudolf Wimhofer schon gekannt, als er noch als Kaplan in Wieselburg sehr fruchtbar in der Katholischen Arbeiterjugend und Katholischen Arbeitnehmer/innen-Bewegung gewirkt hat.“ Er wollte nicht vor der normalen Seelsorge in der Pfarre „fliehen“, weil er in sich eine Berufung spürte, ein Arbeiterpriester zu sein. Dieses der Kirche entfremdete Arbeitermilieu habe es nicht nur in Frankreich gegeben, sondern auch hierzulande. Bischof Franz Zak sei es damals nicht leicht gefallen, diesem seinem Wunsch zu entsprechen. Der Bischof sagte zu Sieder: "Ich habe Rudolf Wimhofer nicht geweiht, dass er in die Fabrik arbeiten geht, aber es kann sein, wenn er nicht arbeiten gehen kann, dann hört er vielleicht als Priester ganz auf – und deshalb lasse ich ihn arbeiten gehen.“

Rudolf Wimhofer habe sein Arbeiterpriestersein so konsequent gelebt, dass er auch kein Gehalt mehr von der Kirche bekam. Auch in seiner Pension als Priester habe er nur seine Arbeiterpension bekommen und nichts von der Diözese. Das sei und war sein eigener Wunsch. Vielfach habe er auch ausgeholfen und Gottesdienste in verschiedenen Pfarren zelebriert. Zu seinen Arbeiterkollegen habe er dann manchmal - so berichten es Kollegen - im „Arbeiterjargon“ wertschäftzend gesagt: „Am Sonntag gehe ich 'pfuschen'“.

Sieder zum christlichen Zeugnis des Jubilars: „Rudolf Wimhofer war bemüht durch viele Jahre das Evangelium durch sein Fabriksarbeiterleben als Staplerfahrer zu verkünden. Ich denke, dass es notwendig ist, dieses stille Zeugnis auch einmal öffentlich zu würdigen.“

„Das Priestersein wird nicht nur verwirklicht in der Spendung der Sakramente, sondern es wird vielmehr verwirklicht durch ein glaubwürdiges Leben, in dem Christus und seine Botschaft durchleuchtet. Ich neige mich in tiefer Ehrfurcht vor dem bescheidenen und großen Lebenswerk des Rudolf Wimhofer“, so Franz Sieder.