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KAB-Studientag - Von der Christlichen Soziallehre bis Laudato si

Am Nachmittag des 24. Mai hielt die KAB ihren Studientag ab, am Abend wurden die Preise der Papst Leo Stiftung verliehen. Was beides verbindet, ist die Christliche bzw. Katholische Soziallehre. Der Preis würdigt herausragende Leistungen im Sinne der Katholischen Soziallehre. Die Basis für diese liegt in der ersten Sozialenzyklika von Papst Leo XIII, die aktuelle Weiterentwicklung beschreibt die Enzyklika Laudato si. Dazu konnte eine hervorragende Kennerin der Materie gewonnen werden. MMag.a  Dr.in Karin Petter-Trausnitz ist ÖGB-Bildungsreferentin (FCG) mit Ausbildung in Theologie. Sie ist Expertin in Sozialethik und bildet BetriebsrätInnen u. a. auch in der Katholischen Soziallehre aus. Sie ist auch Autorin eines Buches über die Enzyklika Laudato.

Sorge um das gemeinsame Haus
„Was ist mit unserer Arbeitswelt passiert?“ - so der Einstig in das Thema. Stress, Druck, Angst nehmen zu. Der Profit für die Shareholder (zb. Aktionäre) geht vor das Wohlergehen der Arbeitnehmer. Die Umwelt wird immer mehr ausgebeutet und zerstört. Alle diese Entwicklungen sehen wir seit vielen Jahren.
Verantwortlich dafür ist ein „verdeckter“ Wertewandel.
Die Folgen des Wertewandels sind:
• statt Freiheit des Menschen  - Freiheit des Marktes/Kapitals
• statt Leistungswertschätzung - Leistungsmaximierung
• statt Verantwortungsübernahme - Verantwortungsübergabe
Daraus leitet sich eine neue Profit-Logik ab. Das „Ich“ geht vor dem „Wir“, Gewinn- u. Machtmaximierung geht vor das „Gemeinwohl“, Konkurrenz statt Kooperation, Konsum statt Achtsamkeit, um nur einige Auswirkungen dieses Wertewandels zu erwähnen.

Weg aus der Krise - eine ERMUTIGUNG
Die Antwort gibt uns die christliche Haltung. Einfach auf den Punkt gebracht: „Der Mensch steht im Mittelpunkt“. Weiters gibt uns die Katholische Soziallehre folgenden gesellschaftlichen Rahmen vor: Personalität, Solidarität, Subsidiarität. Dazugekommen sind noch das Prinzip des Gemeinwohls und die Bewahrung der Natur bzw. Nachhaltigkeit.
Papst Franziskus spricht außerdem über folgende Zusammenhänge bzw. Notwendigkeiten:
• Wir leben in einem gemeinsamen Haus und stehen in Wechselbeziehung!
• Wir brauchen eine ganzheitliche Brille, um die ökosoziale Krise bewältigen zu können!
• Wir kommen nur über den Dialog aus der Spirale der Selbstzerstörung!
• Wir müssen unsere Lebensstile ändern!
Keine leichte Kost, wird man sich bei diesen Worten des Papstes denken. Diese Gedanken fassen aber sehr gut zusammen, wie wir die Probleme erkennen und positive Veränderungen bewirken können.

Differenzierte Verantwortung
Der Papst analysiert in Laudato si sehr genau die Probleme unserer Gesellschaft. Auf Basis des Evangeliums und der Katholischen Soziallehre ruft er alle Menschen („gemeinsames Haus“) auf, die Gesellschaft und die Welt im positiven Sinn zu verändern. Dazu brauchen wir eine stabile Wertehaltung, welche wir mit entsprechender Festigkeit in die Diskussion einbringen sollen und müssen. Dies soll aber, lt. Karin Petter-Trausnitz, im Dialog und unter Wertschätzung der Gesprächspartner erfolgen. Differenzierte Verantwortung meint, dass jeder nach seinen Möglichkeiten zur positiven Entwicklung beitragen soll.
Der Referentin ist es sehr gut gelungen, die Prinzipien der Katholischen Soziallehre und die Intentionen des Papstes Franziskus überzeugend zu vermitteln. Dies wurde von ihr mit vielen praktischen Tipps aus ihrer Lebenserfahrung engagiert vorgetragen. Zum Abschluss des KAB-Studientages beteten wir noch das „Gebet für unsere Erde“, welches uns Papst Franziskus in Laudato si mitgegeben hat.

J. Riegler